Gesundheitscampus Marbach - Drei Nutzungen, drei Typologien, drei Cluster

WETTBEWERBE Ort: Marbach am Neckar
Jahr: 2022
Größe: 6,3 ha
Auftraggeber: Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim gGmbH

Die drei wesentlichen Nutzungsbausteine Ärztehaus, Wohnen und Bildung sind als eigenständige räumliche Cluster erkennbar und formen den Campus Marbach. Diese Aufteilung erleichtert die intuitive Orientierung auf dem Gelände, die schrittweise Umsetzung, sorgt für kurze Wege und bindet die Bestandsgebäude maßvoll in das neue Ensemble ein.

Die mittig gelegene autoarme Erschließungsachse sowie der große zentrale Freiraum gliedern und vernetzen die einzelnen Cluster untereinander sowie mit den umgebenden Stadt- und Landschaftsräumen.

Jeder Cluster ist einerseits Teil des Gesamtensembles und bildet gleichzeitig eine individuelle wiedererkennbare Typologie aus.

 

Architektur

Das bestehende Ärztehaus mit dem ehemaligen Klinikgebäude wird zum Teil umgenutzt und zu einem leistungsfähigem ärztlichen Versorgungsensemble erweitert. Etablierte Ankerfunktionen bleiben erhalten und ringförmig ergänzt um weitere medizinische Angebote. Architektonisch greift der Erweiterungsbau die Dachlandschaft aus Sattel- und Walmdächern im Bestand auf und schafft so ein vitales Ensemble, welches als Silhouette die charakteristischen Giebel Marbachs zitiert.

Westlich dockt an das Ärztehaus das Patientenhotel an, welches typologisch dem Wohncluster zugeordnet ist, inhaltlich aber auch zur medizinischen Versorgung gehört. Das Patientenhotel ist somit ein Vermittler zwischen den Clustern und stärkt die Scharnierfunktion durch einen öffentlichen Cafébetrieb im Erdgeschoss.

Die punktförmige Typologie des Wohnclusters ermöglicht eine spielerische Überwindung der Topografie bei gleichzeitiger Durchgrünung und Blickbeziehungen in die Landschaft. Die Gebäude charakterisieren sich durch natürliche Materialen. Vorgeschlagen werden Fassaden aus Holz, um eine harmonische Einbindung in den Landschaftsraum zu gewährleisten. Funktional werden zum Teil Erdgeschossbereiche zusammengezogen, um öffentlichere Nutzungen zu ermöglichen und den Raumbedarfen gerecht zu werden.

Der Bildungscluster zieht sich wie ein Band entlang der östlichen Grenze des Gesundheitscampus und überwindet in Terrassen die Topographie. Zwischen den Gebäuden bilden sich Plateaus aus, die neben Zugangsbereichen auch Aufenthaltsflächen bieten. Das Bildungsband beinhaltet neben der Akademie und der Fachschule auch die ergänzenden Funktionen der Wohnheime und des Kindergartens. Die Materialität des Clusters generiert sich aus dem Umgang mit der Topographie und charakterisiert sich durch ein massiveres Erscheinungsbild mit Naturstein- oder Klinkerfassaden, Platzflächen verschmelzen mit vertikalen Fassaden.

Die Erweiterungsbauten im Süden verzahnen sich funktional mit dem Ärztehaus, beziehen sich aber strukturell auf das Bildungsband. Somit ist die Nutzung in diesem Bereich mehrfach programmierbar und offen für die Stärkung der jeweiligen bedarfsgerechten Weiterentwicklung des Campus.

 

Freiraum

Unterschiedliche Freiraumtypologien, inspiriert von den Landschaften der angrenzenden Umgebung, bespielen den neuen Marbacher Campus. In ihrer Ausformulierung umfassen sie eine hohe Spannweite. Von der weiten Landschaft bis zum geschützten Garten und richten sich so an Menschen in unterschiedlichster körperlicher Verfassung

Im Innenhof des Ringgebäudes bietet ein friedlicher Garten einen Ort der Rekreation. Ein ruhiges Wegekreuz erschließt den kleinen Garten und bietet Sitznischen an. Von Ost nach West quert ein zentraler Boulevard als Shared Space den Campus. Er ist als Doppelspange angelegt und integriert neben einem Spazierweg auch eine 6 Meter breite niveaugleiche Fahrspur. Den Auftakt zum Boulevard bildet im Osten ein baumbestandenes Entrée, westlich mündet der Boulevard im zentralen Platz.

Die Plaza verbindet über eine großzügige Platzfläche das bestehende Ärztehaus mit dem neuen Patientenhotel und dem Betreuten Wohnen. Mit seiner grünen Intarsie bietet er einen gebäudenahen, grünen Rückzugsort für Gäste mit eingeschränktem Bewegungsspielraum. Unter den Obstbäumen wird mobiles Sitzmobiliar angeboten und das Café im Patientenhotel erhält einen Außensitzbereich mit Blick in die Landschaft.

Der zentrale malerische Campuspark integriert den alten Baumbestand. Gewundene Wege führen den Hang in max. 5% Gefälle hinauf. Der Campus ist von extensiven Wiesenflächen gesäumt. Die westlichen Wiesen nehmen dabei das Thema der Streuobstwiesen auf.

Der gesamte Campus wird von einem weiten, äußeren Rundweg umspannt. Im Nord-Westen bindet dieser über einen kleinen Platz an den Weinleseweg an, der weiter in die Weinberge führt. Im Westen kreuzt die Rundwegschleife die Panoramastraße, bevor er zum neuen Aussichtsplateau mit Pavillon führt. Ein innerer Rundweg erschließt die Binnenfreiräume.

Auf den Dächern des Ringgebäudes bieten drei Dachterrassen Orte für gemeinsame sportliche Aktivitäten mit Blickbeziehung zur Altstadt. Auf dem Patientenhotel befindet sich eine gemeinschaftlich genutzte Dachterrasse, die einen weiten Blick über die Landschaft und zum Neckar ermöglicht. Alle weiteren Flachdächer sind als extensive Gründächer ausgebildet.

mit:

SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Landschaftsarchitektur

Winkelmüller Architekten, Architektur