In enger Verzahnung mit dem benachbarten LBO I bildet die Kombination aus Wohnen und Bundestagsnutzung in einem großzügigen Block eine klare städtebauliche Figur, die den vielfältigen Anforderungen des Ortes gerecht wird. Die daraus resultierende Minimierung der Erschließungsflächen ermöglicht es, die hohen Flächenanforderungen des Standorts zu erfüllen und zugleich großzügige, nutzungsgerechte und klar zonierte Freiräume zu schaffen, die die Sicherheitsanforderungen der Bundestagsnutzungen wahren.
Die heute aus gestalterischer und funktionaler Sicht bestehende Leerstelle entlang des Ufers – zwischen dem Panoramaweg durch das Regierungsviertel und der belebten Gastronomiemeile östlich der S-Bahn-Trasse – wird durch eine großzügige Promenade mit differenzierten Aufenthaltsqualitäten entlang der Spree neu besetzt. Die ruhige, geschlossene Raumkante am Schiffbauerdamm nimmt eine dem Ort angemessene Körnung auf und orientiert sich am historischen Stadtgrundriss. Platzartige Aufweitungen betonen die Zugänge ins Quartier und werden durch Treppenanlagen bis an das Spreeufer fortgeführt – als maßstäbliche Weiterführung des Motivs des Bertolt-Brecht-Platzes.
Im Sinne einer attraktiven Raumfolge wird das Potenzial der Stadtbahnbögen aktiviert. Ein langgestreckter Platz entlang der Bögen ergänzt das Freiraumangebot und gibt den neuen nachbarschaftlichen, sozialen, kulturellen und kleinsthandwerklichen Nutzungen eine klare Adresse sowie einen Außenraum mit hoher Aufenthaltsqualität. Hier treffen die Nutzungen des neuen Quartiers zusammen; auch ver.di und der Bundestag sind präsent. Die Planstraße stellt die direkte Verbindung dieses Quartiersplatzes zur Spree und zu den angrenzenden Aufenthaltsräumen her.
Dieser Platzdreiklang aus dem Eingangsplatz zwischen LBO I und II, dem Vorplatz des ver.di-Gebäudes und dem Quartiersplatz an den S-Bahnbögen bildet das räumliche Gerüst des Entwurfs. Er verbindet die aktivierten Stadtbahnbögen selbstverständlich mit dem Spreeufer und belebt das neue Stadtquartier in seiner gesamten Tiefe.
Die geplanten Bundestagsnutzungen liegen in direkter Nachbarschaft zum westlich angrenzenden LBO I. Im Sinne von Vielfalt, Nachhaltigkeit und Beständigkeit politischen Handelns wird das gründerzeitliche Gebäude Schiffbauerdamm 19 in die Neubebauung integriert. Auf Höhe des Baudenkmals des ehemaligen Maschinen- und Werkstattgebäudes verspringt der mittlere Baukörper des Bundestagsensembles und bildet so einen weiteren abgeschirmten, zugleich repräsentativen Eingang sowie eine prägnante Adresse der neuen Bundestagsnutzungen. In Verbindung mit dem angrenzenden Eingangsplatz entsteht ein gemeinsames repräsentatives Bundestagsforum. Der Sitzungssaal befindet sich im Vis-à-vis zur S-Bahn und gewährt den passierenden Fahrgästen Einblicke in den politischen Alltag. Als höchster Punkt des Ensembles schafft er zudem eine visuelle Verbindung zum Band des Bundes.